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Private Equity kann massgeblich dazu beitragen, Nachhaltigkeitsaspekten Geltung zu verschaffen

December 19, 2017

Die Private-Equity-Industrie wird eher selten als ein Treiber für die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in Unternehmen wahrgenommen. Womit übersehen wird, welche Möglichkeiten Private-Equity-Investoren haben, um nachhaltige Entwicklungen zu unterstützen – und dass sie diese auch oft nutzen. Ein Beispiel.

Franziska Raff zeigt auf, welche Möglichkeiten Private-Equity-Investoren haben, nachhaltige Entwicklungen zu unterstützen.

Private-Equity-Anlagen sind wirtschaftlich sehr bedeutend, mehrere Billionen US-Dollar werden weltweit darin investiert. Oftmals erfolgen diese Investitionen in Unternehmen, die einen Wandel durchlaufen und die dadurch offen für Veränderungen sind. Damit bietet sich den Private-Equity-Investoren die Möglichkeit, neue Konzepte einzubringen, die zunehmend auch die sogenannten E (Environment – Umwelt), S (Social – Sozial) und G (Governance – gute Unternehmensführung)-Kriterien berücksichtigen.

Gemäss einer aktuellen Studie von PwC haben 83 Prozent aller Private-Equity-Firmen eine Policy für verantwortungsvolles Investieren verabschiedet. Bei ihren Investitionen achten sie verstärkt auf Nachhaltigkeit. 41 Prozent der von PwC befragten Private-Equity-Manager wären zudem bereit, für ein Unternehmen, in das sie investieren, mehr zu bezahlen, wenn es ESG-Aspekte berücksichtigt.

Langfristiges Engagement unterstützt Entwicklung

Wenn ein Unternehmen im Bereich ESG noch Schwächen aufweist, kann gerade ein Private-Equity-Investor hier eine Veränderung bewirken. Denn meist halten Private-Equity-Manager Mehrheitsbeteiligungen in Unternehmen und können dadurch grossen Einfluss auf das Management nehmen. Zudem arbeiten sie über einen langen Zeitraum mit dem Management des Unternehmens zusammen, da der Anlagehorizont bei Private-Equity-Anlagen in der Regel um die zehn Jahre beträgt. Am Beispiel einer Beteiligung durch einen Private-Equity-Manager, mit dem LGT Capital Partners investiert, macht dies deutlich.

Aufräumen in der norwegischen Abfallwirtschaft

Die Wandlung von Norsk Gjenvinning, einem in der Abfallwirtschaft tätigen norwegischen Unternehmen im Besitz von Altor, einem skandinavischen Private-Equity-Manager, veranschaulicht, wie ein Manager mit einem starken Bekenntnis zu ESG-Grundsätzen bei einem Unternehmen eine markante Kehrtwende bewirken, den Grundstein zu nachhaltigem Wachstum legen und sogar den Wandel einer ganzen Branche (in Norwegen) ermöglichen kann. Norsk Gjenvinning war in einer Branche tätig, in der ein verantwortungsloser Umgang mit Sondermüll und illegale Abfallexporte nicht ungewöhnlich waren. Auch Finanzbetrug und wettbewerbswidriges Verhalten waren keine Seltenheit, regulatorische Anforderungen wurden häufig ignoriert. Das Team von Altor war sich dieser Praktiken in der Branche bewusst, als es sich zur Investition in Norsk Gjenvinning entschloss. Nach einigen vor allem auch personellen Veränderungen begann der Private-Equity-Manager 2013 mit der Umsetzung seines Veränderungsprogramms. Schwerpunkte waren dabei die Aufarbeitung von Themen wie illegale Exporte, Korruption und wettbewerbswidriges Verhalten. Die Geschäftsleitung führte einen neuen Verhaltenskodex für Norsk Gjenvinning ein. Robuste Kontrollsysteme und Schulungsanforderungen wurden durch weichere Ansätze wie individuelle Feedbackverfahren, neue Anreize und den Aufbau einer neuen Unternehmenskultur ergänzt. In der Übergangsphase waren die Kosten kurzfristig erheblich, auch aufgrund von Geschäftseinbussen gegenüber Mitbewerbern mit anderen Standards.                                                                                                                                      

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Den Wandel durch Dialog festigen

Begleitet wurde die Transformation von einem Dialog mit der breiteren Öffentlichkeit sowie der Abfallwirtschaft. Eigentümer und Geschäftsleitung verpflichteten sich im Rahmen einer Medienkampagne öffentlich dazu, im Unternehmen "aufzuräumen" und die Standards in der Branche anzuheben. Des Weiteren eröffneten sie einen Dialog mit anderen Akteuren der Branche mit dem Ziel, einen Verhaltenskodex zu etablieren, durch den die illegale Entsorgung von Abfall, wettbewerbswidrige Aktivitäten und andere Verfahrensweisen abgeschafft werden sollen. Gemeinsam mit den zuständigen Behörden erarbeiteten sie branchenweite Schulungen, um eine Anhebung der Standards zu bewirken.

Langsam zeigten sich Anzeichen für einen erfolgreichen Wandel. Bei den Mitarbeitenden stellte sich wachsender Stolz ein, und sie erzielten Produktivitätssteigerungen, getragen von dem Gefühl, Teil eines Unternehmens mit einer positiven Agenda zu sein. Dies wiederum schlug sich in einer erheblichen Verbesserung der Servicequalität und der Kundentreue nieder. Heute beschäftigt das Unternehmen etwa 1400 Mitarbeitende, hat rund 40 000 Kunden und erzielt einen Umsatz von 490 Millionen Euro. Es schliesst nun neue Geschäfte ab, insbesondere mit Kunden, die Wert auf die Einhaltung hoher ethischer Standards und eine nachhaltige Abfallwirtschaft legen. Auch das rechtliche und regulatorische Risiko des Unternehmens konnte durch die Einführung bewährter Compliance-Systeme deutlich reduziert werden. 2014 konnte Norsk Gjenvinning ein Refinanzierungsgeschäft in Höhe von EUR 280 Mio. abschliessen.

Die Integration von ESG-Kriterien zahlt sich aus

Seit fünf Jahren befragt LGT Capital Partners ihre externen Private-Equity-Manager systematisch zur Integration von ESG-Kriterien. Die Ergebnisse bestätigen, dass das Thema Nachhaltigkeit erheblich an Bedeutung gewonnen hat. Unterdessen besteht auch kein Zweifel mehr darüber, dass die Integration von ESG-Kriterien, wie in unserem Beispiel, für alle Beteiligten – das Unternehmen, die Investoren und die Gesellschaft – Mehrwert schaffen kann, auch indem Finanz- und Reputationsrisiken reduziert werden.

 

Franziska Raff studierte Geschichte und Psychologie an der Ludwig-Maximilian-Universität in München und an der NUI Maynooth in Irland. Nach Tätigkeiten in PR-Agenturen, beim Radio und als Journalistin in China kam sie vor neun Jahren zur LGT. Nach interessanten Kommunikationsaufgaben bei LGT Group wechselte sie 2012 zu LGT Capital Partners, wo sie heute Head Communication ist. Neben zahlreichen Investmentthemen kommuniziert die begeisterte Basketballerin seit einigen Jahren auch vermehrt zu nachhaltigem Anlegen.

 Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln zum Thema „Nachhaltiges Investieren“, die LGT auf ihrer Nachhaltigkeitsseite im Internet veröffentlicht. Folgen Sie LGT auf Linkedin und Sie sind aktuell informiert, sobald ein neuer Nachhaltigkeits-Beitrag erscheint.