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Nachhaltiges Investieren in Energieversorger – ein Paradoxon?

November 28, 2017

Auf den ersten Blick scheinen Energieversorger und Nachhaltigkeit schwer vereinbar zu sein. Wer aber genauer hinsieht stellt fest, dass es viele Initiativen gibt, durch die sich beide annähern. Eine Idee dazu ist auch das Konzept der Kreislaufwirtschaft, die sogenannte circular economy.

Franziska Raff (LGT Capital Partners) findet, dass Energieversorger und Nachhaltigkeit durchaus vereinbar sind, wenn sie eine entscheidende Rolle in der in der circular economy übernehmen.

Energieversorger sind Unternehmen, die die Grundversorgung von Verbrauchern mit leitungsnetzgebundenen Energieträgern, also mit Elektrizität und Strom, Ferngas, Nah- und Fernwärme aber auch Wasser sicherstellen. Da ein Grossteil der Stromerzeugung nach wie vor aus fossilen Energieträgern erfolgt, zählen sie zu den Verursachern von hohen CO2-Emissionen. Allerdings zeigt bereits eine Studie der Nachhaltigkeits-Ratingagentur Oekom research aus dem Jahr 2011, dass es bei Energieversorgern grosse Unterschiede in Hinblick auf Nachhaltigkeit gibt. 13 Prozent der 154 Unternehmen aus über 20 Ländern erhielten schon damals den oekom Prime Status für Nachhaltigkeitsmanagement.

Vor dem Hintergrund eines zunehmend dynamischen Umfelds im Versorgersektor müssen sich Firmen auch dem Thema Nachhaltigkeit stellen. Denn auch Energieversorger sind auf das Kapital von Investoren angewiesen und diese achten mittlerweile immer genauer auf die Aspekte der Nachhaltigkeit.

Energieversorger ist nicht gleich Energieversorger

Bevor wir als LGT Capital Partners in ein Unternehmen investieren, beleuchten wir es gründlich. Da Energieversorger oft auch grosse Investoren in Infrastruktur sind, prüfen wir sehr genau, wie die Unternehmen in Abstimmung mit Anwohnern und dem Umfeld kooperieren. Denn grosse Infrastrukturprojekte können erhebliche Auswirkungen auf die Menschen in der Umgebung haben. Wir analysieren, ob beispielsweise beim Bau von Leitungssystemen in Hinblick auf den Umweltschutz oder die Stakeholder-Beziehungen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) involviert werden. Wichtig ist uns auch die Corporate Governance der Firmen. Hier prüfen wir, ob die Unternehmensstrukturen klare Aufgabentrennungen und Überwachungsstrukturen vorsehen. Gerade bei Infrastrukturprojekten legen wir grossen Wert darauf, dass Antikorruptionsrichtlinien bestehen.

Die Energiewende der Energieversorger?

Ein zunehmend wichtiger Aspekt unserer Analyse ist die Innovationskraft der Unternehmen. In der Energiebranche stehen grosse Veränderungen an, und wir sind überzeugt, dass nur die Firmen langfristig erfolgreich sein können, die agil und innovativ sind. Versorger stehen vor der Herausforderung, sich vom „einfachen“ Energielieferanten zum Anbieter von Servicedienstleistungen für das aktive Energiemanagement und die Beratung komplexer Kundenbedürfnisse zu entwickeln. Damit einher gehen für uns erweiterte Anforderungen an die Unternehmen als attraktive Arbeitgeber: Wir achten daher auf die Zusammensetzung der Mitarbeitenden (Diversität) und Massnahmen wie Mitarbeiterförderung und -ausbildung. So müssen unserer Einschätzung nach Versorger in der Lage sein, begehrte Fachkräfte aus der IT-Branche zu akquirieren, um die zukünftigen Herausforderungen in Netzwerksicherheit aber auch in der Retail-Distribution zu meistern.

Aber die Innovationen gehen weit darüber hinaus – Stichwort circular economy. Die Idee hinter diesem Konzept ist es, dass die eingesetzten Rohstoffe über den Lebenszyklus einer Ware hinaus wieder vollständig in den Produktionsprozess zurückgelangen. Eine wichtige Rolle spielen hierbei das Recycling von Gütern, um Abfallprodukte als Sekundärrohstoffe wiederverwerten zu können, sowie die Kaskadennutzung, bei der ein Rohstoff über mehrere Stufen genutzt wird. Energieversorge können sowohl bei der Verwertung sogenannter Nebenprodukte aus der Energiegewinnung ansetzen, aber auch beim Recycling. Wir sehen hier beispielsweise bei der französischen Veolia oder der italienischen Hera vielversprechende Ansätze.

Aber auch wenn Energieversorger noch nicht Teil einer circular economy sind, gibt es solche, in die gerade unter Berücksichtigung von ESG-Kriterien (Environment – Umwelt, Social – Soziales, Governance – Strukturen der Unternehmensführung) investiert werden kann. Denn aufgrund unserer gründlichen Analyse, die neben Fundamentaldaten 41 Datenpunkte aus den Bereichen ESG umfasst, können wir die Energieversorger ausmachen, die sich dem Wandel der Zeit stellen, die Auswirkungen ihres Handelns auf ihr Umfeld sorgfältig evaluieren und berücksichtigen und sich dem Schutz der Umwelt verpflichtet haben. Aus Sicht eines langfristigen Investors sind wir überzeugt, dass diese Unternehmen auch wirtschaftlich am interessantesten sind.

 
Hier finden Sie weitere Informationen Nachhaltigkeit bei LGT 

 

Franziska Raff studierte Geschichte und Psychologie an der Ludwig-Maximilian-Universität in München und an der NUI Maynooth in Irland. Nach Tätigkeiten in PR-Agenturen, beim Radio und als Journalistin in China kam sie vor neun Jahren zur LGT. Nach interessanten Kommunikationsaufgaben bei LGT Group wechselte sie 2012 zu LGT Capital Partners, wo sie heute Head Communication ist. Neben zahlreichen Investmentthemen kommuniziert die begeisterte Basketballerin seit einigen Jahren auch vermehrt zu nachhaltigem Anlegen.

 
Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln zum Thema
„Nachhaltiges Investieren“, die LGT auf ihrer Nachhaltigkeitsseite im Internet veröffentlicht. Folgen Sie LGT auf Linkedin und Sie sind aktuell informiert, sobald ein neuer Nachhaltigkeits-Beitrag erscheint.

Das sind wichtige Schritte, denen weitere folgen sollten – insbesondere ein vertieftes Verständnis darüber, wo Zentralbanken heute durch ihre Entscheide Nachhaltigkeitszielen entgegenwirken, sowie entsprechende Anpassungen in ihrer Anlagepolitik und den Vorgaben für notenbankfähige Sicherheiten.