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LGT Anlegerstudie – Österreichische Anleger sind zufrieden mit ihrer Bank, online-affin und skeptisch beim Anlegerschutz

June 5, 2018

Vermögende österreichische Anleger sind mit ihrer Bank und ihrem Berater recht zufrieden, allerdings wesentlich weniger als deutsche oder Schweizer Anleger. Auch hinsichtlich ihrer Rendite sind Österreicher kritischer. In ihren Portfolios bewegt sich seit mehreren Jahren nicht viel. Das Thema Digitalisierung wird immer wichtiger, genauso wie das Thema Nachhaltigkeit. Das sind nur einige Erkenntnisse aus dem diesjährigen LGT Private Banking Report. Der Report gibt Einblick in die Welt vermögender Anleger aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Neben dem Anlageverhalten beschäftigt sich die Studie dieses Jahr insbesondere mit dem Vertrauen vermögender Private-Banking-Kunden in nationale und internationale Institutionen, ihrer Beurteilung von in- und ausländischen Finanzplätzen sowie ihrer Einstellung bezüglich Anlegerschutz, Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

LGT Private Banking Report

Im Auftrag der LGT erstellte die Abteilung für Asset Management der Johannes Kepler Universität Linz unter der Leitung von Prof. Dr. Teodoro D. Cocca die seit 2010 fünfte umfassende Studie zum Anlageverhalten von Private-Banking-Kunden in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Dazu wurde im Frühjahr 2018 eine repräsentative Anzahl vermögender Anleger befragt.

Österreicher nur bedingt zufrieden mit ihren Ergebnissen

Trotz der positiven Marktentwicklung in den letzten Jahren hält sich die Euphorie der Anleger weiterhin in Grenzen. Die durchschnittliche Vermögensallokation in allen drei untersuchten Ländern hat sich im Vergleich zur Studie von vor zwei Jahren nicht stark verändert. Der Cash-Anteil der österreichischen Befragten liegt nahezu unverändert bei hohen 43 Prozent (2016: 42 Prozent), der Aktienanteil ist nur um 1 Prozent auf 27 Prozent gestiegen und der Anleihenanteil hat sich leicht reduziert (von 19 auf 16 Prozent). Andere Anlageklassen wie Derivate, Rohstoffe oder alternative Anlagen fristen nach wie vor ein Schattendasein. Auffällig ist die insgesamt hohe Heimmarktorientierung der Anleger. Bei den österreichischen Befragten beispielsweise sind 44 Prozent der Aktien (2012 waren es 56 Prozent) Titel heimischer Unternehmen – deren Risiko von den Studienteilnehmern darüber hinaus systematisch tiefer eingestuft wird als dasjenige ausländischer Aktien. Genau wie die nach wie vor fehlende Diversifikation über verschiedene Anlageklassen hinweg, ist auch die geographische Streuung der Anlageportfolios gering. Mit den im letzten Jahr erzielten Renditen sind die österreichischen Befragten bedingt zufrieden. Sie erzielten eine durchschnittliche Rendite von 8.8 Prozent, nur 49 Prozent der Studienteilnehmer freuten sich darüber. Die schweizerischen und deutschen Befragten sind in diesem Bereich wesentlich positiver eingestellt: Schweizer Befragte erzielten im Schnitt 11.7 Prozent Rendite, 76 Prozent waren damit zufrieden. Die Deutschen erreichten durchschnittlich 6.3 Prozent Rendite, was 75 Prozent zufriedenstellte.

Österreichische Banken leisten gute Arbeit

Hohe Zufriedenheitswerte erreichten in der diesjährigen Studie Banken und Berater. 74 Prozent der österreichischen Befragten sind mit ihrer Bank, 59 Prozent mit ihrem Berater zufrieden oder sehr zufrieden. Obwohl diese Werte hoch und für die Banken sehr erfreulich sind, erweisen sich auch in diesem Bereich die österreichischen Befragten als wesentlich kritischer als die Deutschen und die Schweizer. 71 Prozent der Schweizer und 78 Prozent der Deutschen sind mit ihrem Berater zufrieden oder sehr zufrieden. Und 82 Prozent (Schweiz) bzw. 95 Prozent (Deutschland) sind mit ihrer Bank zufrieden oder sogar von ihr begeistert. Die Weiterempfehlungsrate ist für Banken in allen drei Ländern relativ erfreulich. 43 Prozent der österreichischen Studienteilnehmer haben ihre Bank im vergangenen Jahr aktiv weiterempfohlen – in der Schweiz waren es 51 Prozent, in Deutschland ebenfalls 43 Prozent.

Doch was ist vermögenden Kunden bei ihrer Bank eigentlich wichtig? Laut LGT Private Banking Report 2018 ist für die Kunden das wichtigste Merkmal einer Bank ihre finanzielle Stabilität – in allen drei Ländern. Auf Platz 2 rangiert in Österreich ein guter Online-Zugang zu Dienstleistungen, gefolgt von der fachlichen Kompetenz des Kundenberaters. Alle drei Merkmale werden in Österreich überdurchschnittlich gut erfüllt.

Private Banking ist und bleibt ein «People's Business»

Wichtig ist den Kunden bei ihrer Bank auch, dass sie ihnen einen guten Online-Zugang zu Dienstleistungen bietet. Über alle drei Länder hinweg rangiert dieses Merkmal auf Platz vier. Die Digitalisierung schreitet – nicht zuletzt getrieben von sich verändernden Kundenbedürfnissen – auch in der Finanzbranche mit grossen Schritten voran. Der Anteil derjenigen, die überhaupt kein Online- bzw. Mobile-Banking nutzen, die sogenannten «Digital Deniers», nimmt weiter ab – in Österreich sind es nur noch 8 Prozent (2016: 9 Prozent). Wenn sich dieser Trend fortsetzt, könnten die Digital Deniers bis zum Jahr 2022 bereits komplett verschwunden sein. Die Zahl derer, die von zuhause oder von unterwegs Aufträge an die Bank übermitteln wollen, steigt weiter (zuhause: von 72 Prozent in 2016 auf 79 Prozent in 2018; unterwegs: von 32 Prozent in 2016 auf 36 Prozent in 2018). Rund ein Viertel der Befragten aller drei Länder kann sich vorstellen, sich vom eigenen Kundenberater vor allem online beraten zu lassen. Nichtsdestotrotz unterstreichen die erhobenen Daten klar, dass die Mehrheit der Private-Banking-Kunden der persönlichen Beratung durch einen Kundenberater weiterhin eine hohe Relevanz und Bedeutung beimisst. Bei wichtigen Anlageentscheidungen möchte die Mehrheit der Befragten ihren Kundenberater persönlich treffen. Bei der Gegenüberstellung von Mensch und Roboter, gewinnt der Mensch deutlich. Rund 60 Prozent der Befragten sagen, dass sie ihr Vermögen nie von einem Robo-Advisor verwalten lassen würden. Auch beim Thema digitale Währungen sind die Befragten vorsichtig. Obwohl ein Grossteil schon von diesem Thema gehört hat, ist der Anteil derer, die damit bereits Erfahrungen gesammelt haben, gering – in Österreich liegt er bei 14 Prozent (Schweiz: 9 Prozent, Deutschland: 5 Prozent) – genau wie das generelle Interesse der Österreicher an digitalen Währungen, mit nur 10 Prozent.

Österreicher halten Anlegerschutz für wenig wirksam

Ähnlich wie die Digitalisierung ist auch die Regulierung seit Jahren ein omnipräsentes Thema in der Finanzbranche. Umfassendere und schärfere Gesetze wurden nach der Finanzkrise vor allem aus Gründen des Anlegerschutzes eingeführt. Rund 80 Prozent der Befragten des LGT Private Banking Reports sind der Meinung, dass die Banken aufgrund ihrer Versäumnisse in der Vergangenheit selbst Schuld daran sind, dass sie stärker beaufsichtigt werden. 44 Prozent der Österreicher würden sich sogar wünschen, dass die Banken noch strenger beaufsichtigt werden. Die Wirksamkeit der verstärkten Regulierung zum Schutz der Anleger wird im Ländervergleich sehr unterschiedlich gesehen: In Österreich glauben nur 35 Prozent, dass Kunden heute besser geschützt sind (Schweiz: 53 Prozent, Deutschland: 83 Prozent). Die mit der Regulierung verbundene Zunahme der Bürokratie wird von den Österreichern offenbar weniger tragisch eingeschätzt als beispielsweise von den Schweizern: 38 Prozent der Österreicher sagen, dass die verstärkte Aufsicht der Banken viel unnötige Bürokratie bringt, in Deutschland sind es 35 Prozent, in der Schweiz dagegen 54 Prozent.

Das Vertrauen der Österreicher in nationale und internationale Institutionen ist seit 2016 gestiegen (von 4.0 auf 5.1; Bewertungsskala 0-10). Nichtsdestotrotz sind die Österreicher auch hier im Ländervergleich am kritischsten, in der Schweiz liegt der Wert bei 5.5 und in Deutschland bei 6.1. Den neuen Medien (z.B. Social Media, Blogs etc.), dem globalen Finanzsystem, den etablierten Medien (z.B. öffentlich rechtliches Fernsehen und Radio etc.) und der Weltwirtschaft bringen die Österreicher am wenigsten Vertrauen entgegen. Etwas besser sehen die Werte bei der heimischen Wirtschaft und der Bankenaufsicht aus.

Bewertung des Finanzplatzes Österreich eher durchwachsen

Die Bewertung des österreichischen Finanzplatzes durch die Österreicher selbst und durch die Deutschen fällt nicht sehr euphorisch aus. Deutsche Befragte bewerten den eigenen Finanzplatz in fast allen Dimensionen – sei es was die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität, den weltweit guten Ruf, die Kompetenz für langfristige, länderübergreifende und rechtskonforme Vermögenslösungen oder die Kompetenz ihrer Finanzexperten anbelangt – besser als den österreichischen Finanzplatz. Auch die Beurteilung durch die Österreicher selbst ist eher ernüchternd. Im Vergleich zum Finanzplatz Liechtenstein schneidet der Finanzplatz Österreich in fast allen Punkten schlechter ab. Lediglich beim Punkt, dass sich der Finanzplatz den veränderten gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen angepasst hat und höchste internationale Standards für Vermögensanlagen erfüllt, kann Österreich den liechtensteinischen Finanzplatz übertreffen.

Österreichische Anleger berücksichtigen Nachhaltigkeit bei Anlageentscheidungen

Ein weiterer wichtiger Trend in der Finanzbranche ist das Thema Nachhaltigkeit. Bei institutionellen Investoren sind nachhaltige Anlagen mittlerweile Mainstream. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass das Thema auch für Privatanleger immer wichtiger wird. Nachhaltigkeit wird in allen drei Ländern als wichtiges Thema betrachtet, um das sich nach Ansicht der Befragten nicht nur die Politik, sondern auch Banken und Unternehmen kümmern müssen. Die Befragten aller drei Länder sind davon überzeugt, dass nachhaltige Vermögensanlagen einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung sozialer Bedingungen und ethischer Standards leisten können. Nur 27 Prozent der insgesamt Befragten halten Nachhaltigkeit für ein Modethema, das zu viel Aufmerksamkeit erhält. Für 55 Prozent der österreichischen Befragten hat das Thema Nachhaltigkeit bei Anlageentscheidungen in der Vergangenheit bereits konkret eine Rolle gespielt.

Weitere Informationen zum LGT Private Banking Report finden Sie auf unserer Webseite.